Internetprotokoll-Telefonie

Zuletzt aktualisiert : May 03, 2024 |

Internetprotokoll (IP) bezeichnet den Regelsatz, den das Netzwerk verwendet, um Signale zu senden und zu empfangen. IP-Telefonie wandelt Sprachkommunikationen in Datenpakete um. Sie verwendet dazu bequemerweise Ethernet-LAN (Local Area Network). Die IP-Telefonie vereinigt die vielen Standorte eines Unternehmens, einschließlich mobiler Arbeiter in einem einzigen konvergierten Kommunikationsnetzwerk.

IP Office ist ein konvergiertes Telefonsystem: Es kombiniert Aspekte traditioneller PABX-Telefonanlagen mit denen von IP-Daten- und Telefoniesystemen. IP Office unterstützt PSTN, SIP. ÜPTs, digitalen Time-Division Multiplex-Telefonen und digitalen IP-Telefonen auf dem selben System. IP Office ermöglicht ein perfektes Nebeneinander aller Technologien.

IP Office verbindet sich mit dem PSTN und IP-Amtsleitungen und stellt so eine hybride PABX-Funktionalität bereit – wo sowohl veraltete und zukünftige Technologien zusammen genutzt werden können, um die Betriebskosten zu minimieren und die Geschäftskommunikation über Sprach- und Datenwege zu optimieren. Die konvergierte Funktion funktioniert auf verschiedenen Ebenen:
  • Individuelle Telefonnutzer können den Betrieb ihres Telefons durch Anwendungen am PC steuern.

  • Der Datenverkehr kann von der LAN-Schnittstelle zu einer Telefonie-Amtsleitungsschnittstelle geleitet werden.

  • Sprachdatenverkehr kann über interne und externe Datenverbindungen geleitet werden. Diese Option nennt sich Voice-over-IP (VoIP)

Voice-over-IP (VoIP) und Netzwerkbeurteilungen

Im Grunde bedeutet Voice-over-IP (VoIP) „Sprachdaten übertragen über ein Paketdatennetzwerk“. VoIP wird oft IP-Telefonie genannt, weil es Internetprotokolle verwendet, um eine fortschrittliche Sprachkommunikation zu ermöglichen, wo auch immer IP-Verbindungen präsent sind.

Der VoIP-Betriebsmodus kann externe SIP-Amtsleitungen, IP-Amtsleitungen zwischen Kundensystemen und/oder H.323 oder SIP IP-Telefone für Nutzer beinhalten. In jedem Fall müssen die folgenden Faktoren bedacht werden:
  • Die IP Office-Steuereinheit muss mit Sprachkompressionskanälen ausgestattet werden. Diese werden verwendet, wann immer ein IP-Gerät (Amtsleitung oder Nebenstelle) mit einem nicht-IP-Gerät (Amtsleitung oder Nebenstelle) oder aber einem Gerät mit anderem Codec kommunizieren muss.

  • Eine Netzwerkbeurteilung ist eine notwendige Voraussetzung für alle Systeme, die VoIP verwenden. Bei Supportproblemen mit VoIP kann Avaya u.U. Zugang zu den Ergebnissen der Netzwerkbeurteilung anfordern und den Support ablehnen, wenn diese nicht verfügbar oder ungenügend sind.

Zu einer Netzwerkbeurteilung gehört die Bestimmung folgender Aspekte:
  • Eine Netzwerküberprüfung, um bestehende Geräte zu prüfen und ihre Fähigkeiten zu beurteilen, einschließlich ihrer Fähigkeit, die aktuellen und geplanten Ansprüche an Sprach- und Datenressourcen zu erfüllen.

  • Eine Bestimmung der Netzwerkziele, einschließlich des dominanten Verkehrstyps, Technologiewahl und das Festlegen von Sprachqualitäts-Zielen.

  • Die Beurteilung sollte dafür sorgen, dass Sie sich sicher sind, dass das implementierte Netzwerk über die Kapazitäten für den voraussichtlichen Daten- und Sprachverkehr verfügt und H.323, DHCP, TFTP und Jitter-Puffer in H.323-Anwendungen unterstützen kann.

Eine Zusammenfassung der erwarteten Netzwerkbeurteilungs-Ziele lautet:

Testen

Minimales Beurteilungsziel

Latenz

Weniger als 150 ms

Paketverlust

Weniger als 3 %

Dauer

Statistiken einmal pro Minute eine ganze Woche lang überwachen

Signalisierungsprotokolle

Um VoIP nutzen zu können, verwendet IP Office ein Signalprotokoll namens H.323 und das Sitzungsinitiierungsprotokoll (SIP), um Endgerät-zu-Endgerät-Verbindungen für den Sprachpfad durch ein IP-Netzwerk herzustellen. Diese Verbindung stellt sicher, dass jedes Ende Sprachdaten übertragen und erhalten kann und es stellt die Netzwerkadressierung für die Endgerät-zu-Endgerät-Paketübertragung bereit. IP Office verbindet die verschiedenen Technologien, indem es die verwendeten Signale überträgt. Ein analoges Telefon kann sich beispielsweise mit einem VoIP-Ziel verbinden. Für diese Verbindung müssen sowohl Signale als auch Sprachdaten übertragen werden. IP Office überträgt die Daten über Gateways und Gatekeeper.

Bei der IP-Telefonie verbinden Sie Ihr IP-Telefon über ein LAN mit der IP-PBX. Es gibt zwei Grundtypen von IP-Telefonen:
  • Ein physisches Telefon, das im Aussehen einem Standardtelefon ähnelt und als Hardphone bezeichnet wird.

  • Eine Softwareanwendung (Softphone genannt), die auf dem PC des Benutzers betrieben wird und es ihm ermöglicht, ein Headset und Mikrofon zu nutzen, um Anrufe dort zu tätigen und zu empfangen, wo eine IP-Verbindung besteht.

Erwägungen bezüglich der Dienstgüte

Bei der Verwendung von IP-Telefonie gibt es einige datenzentrische Faktoren zu berücksichtigen, etwa, welche Datentypen Priorität am IP-Netzwerk haben, wenn ein Konflikt vorliegt. Dies wird mit IP/TCP-Dienstgüte festgelegt und sollte nicht ignoriert werden. In Situationen, in denen die LAN-Bandbreite eingeschränkt ist, sollte ein fähiger LAN-Switch, bei dem die Dienstqualität veränderbar ist, genutzt werden, um zu gewährleisten, dass Sprachpakete mit der erforderlichen Priorität im Netzwerk übertragen werden. Falls nicht, kann das über IP geführte Gespräch aufgrund von Verzögerungen häufig auseinanderbrechen oder durch Latenz und Jitter unter inakzeptablen Verzögerungen leiden. Mit IP-Hardphones ist kein Power over Ethernet (PoE) oder lokales Netzgerät für die Telefone erforderlich, da IP-Telefone nicht von IP Office betrieben werden.

Sprachkompressionskanäle

Anrufe an und von IP-Geräten erfordern u.U. die Umwandlung zu dem vom IP-Gerät verwendeten Audiocodec-Format. IP Office-Systeme verwenden Sprachkompressionskanäle für die Umwandlung. Diese Kanäle unterstützen die gewöhnlichen IP-Audio-Codecs G.711, G.723 und G.729a.

Die IP Office System Status Application kann verwendet werden, um die Nutzung des Sprachkompressionskanals anzuzeigen. Innerhalb der Sektion Ressourcen zeigt es die Anzahl der verwendeten Kanäle an. Ebenfalls zeigt es an, wie oft keine ausreichende Anzahl von Kanälen zur Verfügung stand und wann dies das letzte Mal geschehen ist.

Tabelle 1: Sprachkompressionskanäle

Anruftyp

Verwendung des Sprachkompressionskanals

IP-Gerät zu Nicht-IP-Gerät

Erfordern einen Sprachkompressionskanal für die Dauer des Anrufs. Ist kein Kanal verfügbar, erhält der Anrufer ein Besetztzeichen.

IP-Gerät zu IP-Gerät

Rufzeichen (z.B. Wahlton, sekundärer Wahlton usw.) für Verbindungen von IP-Gerät zu IP-Gerät benötigen keine Sprachkompressionskanäle, mit den folgenden Ausnahmen:
  • Kurze Codebestätigung, ARS-Wartestellung eingeschaltet und Verrechnungscode-Eingabetöne erfordern einen Sprachkomprimierungskanal.

  • Geräte, die G723 verwenden erfordern einen Sprachkompressoinskanal für alle Töne, außer bei der Anrufwartefunktion.

Bei Verbindung eines Anrufs:
  • Falls die IP-Geräte denselben Audio-Codec verwenden, wird kein Sprachkomprimierungskanal verwendet.

  • Wenn die Geräte unterschiedliche Audio-Codecs verwenden, wird für jedes ein Voice-Komprimierungskanal benötigt.

Nicht-IP-Gerät zu Nicht-IP-Gerät

Es sind keine Sprachkompressionskanäle erforderlich.

Auf einem IP-Gerät abgespielte Wartemusik

Wird vom TDM-Bus von IP Office bereitgestellt und erfordert daher einen Sprachkompressionskanal beim Abspielen auf ein IP-Gerät.

Konferenzressourcen und IP-Geräte

Wird vom Konferenzchip auf dem TDM-Bus verwaltet. Daher wird für jedes an einer Konferenz beteiligte IP-Gerät ein Sprachkompressionskanal benötigt. Dies beinhaltet Dienste, die Konferenzressourcen wie Anruf mithören, Aufschaltung, Aufzeichnung und stille Überwachung verwenden.

Paging-Anrufe zu IP-Gerät

Verwendet G729a nur für Durchsagen und erfordert daher nur einen Kanal, unterstützt jedoch auch nur Durchsagen an G729a-fähige Geräte.

Voicemail-Dienste und IP-Geräte

Werden als Datenverbindungen vom TDM-Bus behandelt. Daher erfordern Anrufe von einem IP-Gerät an Voicemail einen Sprachkompressionskanal.

Faxanrufe

Dabei handelt es sich um Sprachanrufe, die allerdings einen etwas breiteren Frequenzbereich als gesprochene Sprachanrufe haben. IP Office unterstützt nur Faxe über IP zwischen IP Office-Systemen mit ausgewählter Faxtransport-Option. Es unterstützt aktuell kein T38.

T38-Faxanrufe

IP Office unterstützt T38-Faxanrufe auf SIP-Amtsleitungen und SIP-Nebenstellen. Jeder T38-Faxanruf verwendet einen VCM-Kanal. In einem Small Community Network kann ein T38-Faxanruf in einen Anruf über H323-SCN-Leitungen umgewandelt werden. Dies geschieht mittels des IP Office Fax Transport Support-Protokolls. Diese Umwandlung verwendet 2 VCM-Kanäle. Um die T38-Faxverbindung zu nutzen, kann die Geräteklassifizierung einer analogen Nebenstelle, die an einem Faxgerät angeschlossen ist, auf Faxmaschine gesetzt werden. Zusätzlich ist die neue Schnellcodefunktion Faxwahl verfügbar.

Hinweis:

T3 IP-Geräte müssen für Packetgrößen von 20 ms konfiguriert werden, damit die obigen Bedingungen gelten. Bei der Konfiguration für Paketgrößen von 10 ms ist ein Sprachkompressionskanal für alle Töne und für Anrufe mit nicht-direkten Medien erforderlich.